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20.06.2016 | Tierischer Volksfreund

Der Bundestagspräsident auf der Spur von Cusanus

Norbert Lammert ist Hauptredner bei den Kueser Gesprächen

Bernkastel-Kues. Die Vorbereitungen für die Kueser Gespräche beginnen früh, denn die Teilnehmer sind stark gefragt. Das war bei der Premiere 2008 so, als Hans-Gert Pöttering (CDU), damals Präsident des Europaparlaments, die Hauptrede hielt und wiederholte sich dann alle zwei Jahre, zum Beispiel 2012 als der damalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse (SPD), sprach. In diesem Jahr, Freitag, 1. Juli, kommt jemand, der in den vergangenen Wochen mehrfach die Schlagzeilen beherrschte: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Bernkastel-Kues -

Respekt über die Parteigrenzen

Als er zusagte, war noch keine Rede davon, dass er vielleicht der nächste Bundespräsident werden könnte. Und auch das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei war nicht so gespannt wie derzeit. Wie berichtet hat Lammert dazu klare Aussagen gemacht und sich damit über alle Parteigrenzen hinweg Respekt verdient.
Ob Pöttering, Thierse, Lammert oder die anderen Hauptredner: Sie alle suchen Anregungen und Antworten auf drängende Fragen bei Nikolaus Cusanus (1401-1464), dem Kardinal und Philosophen. In diesem Jahr geht es um ein ganz heißes Thema: gesellschaftliche Verantwortung für Europa. Cusanus hat bereits vor fast 600 Jahren politisch und philosophisch für die Einheit Europas geworben.
Norbert Lammert wird sich am 1. Juli, 19.30 Uhr im Barocksaal von Kloster Machern mit vier Thesen auseinandersetzen. Cusanusexperte Professor Harald Schwaetzer formuliert sie. 1. Verantwortung hat man, aber man muss sie auch tragen können; 2. Verantwortung tragen zu lernen heißt, sich darin zu üben, dass eine Urteilssicherheit entsteht, die zugleich Entscheidungsfähigkeit ist; 3. In der Entscheidung verbinden sich Routine und Wagnis in einer lebensgeschichtlichen Wirklichkeit, die gesellschaftsrelevant in Verantwortung und Schuld zu handeln vermag; 4. Gesellschaftliche Verantwortung bedarf der Bereitschaft, Fähigkeit und des Mutes jedes Einzelnen, Fremderfahrung auszuhalten und anzunehmen, sie auf sich wirken und sich durch sie ändern zu lassen. Anders ist Gesellschaft nicht möglich.
Besonders These 4 ist wegen der Flüchtlingsthematik hochaktuell. Das war auch 2008 schon so. Schwaetzer erinnert an einen Satz Hans-Gert Pötterings: "Wie dringlich es aber ist eine staatenübergreifende Sozialethik zu entwickeln, die die verschiedensten Aspekte und Anliegen berücksichtigt, wird noch deutlicher, wenn wir uns das Verhältnis Europas zu den ärmeren Regionen der Welt vor Augen halten - vor allem in der arabischen Welt und auch in Afrika."
Träger der Kueser Gespräche sind die Stadt und die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte. Gerade letztere beweise auf der untersten Ebene, was in dieser Hinsicht möglich ist, betonen die Bürgermeister Wolfgang Port, Ulf Hangert und Akademievorsitzender Alex Licht. So werde mit Sprachkursen ein wichtiges Feld für die Integration beackert.

Wenn Lammert spricht, haben die Briten über den Verbleib in der EU entschieden. Wie das Votum auch ausfällt: "Europa befindet sich in einer tiefen Krise", sagt Ulf Hangert.

Im Anschluss an Lammerts Rede wird das Thema in einer Podiumsrunde vertieft. Weil bei den Kueser Gesprächen um das Spannungsfeld von Kirche, Staat und Gesellschaft geht, war bisher immer ein hochrangiger Kirchenvertreter anwesend. In diesem Jahr ist das nicht der Fall. Der ursprüngliche anvisierte Termin habe verlegt werden müssen, für den 1. Juli sei kein Bischof zu haben gewesen, erläutert Alex Licht.

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